Zu gut für die Tonne: Lebensmittel retten statt wegwerfen

08.07.2019, 16:04 Uhr

Jährlich landen in Deutschland über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Besonders häufig werden Obst und Gemüse sowie Backwaren entsorgt, obwohl die Sachen oftmals eigentlich viel zu schade für den Müll sind. Verschiedene Foodsharing-Anbieter haben der Lebensmittelverschwendung allerdings den Kampf angesagt und bescheren euch damit verschiedenste gratis bzw. sehr günstige Lebensmittel. Wir stellen euch die beliebtesten Anbieter vor und zeigen euch, wie auch ihr zum Lebensmittelretter werdet.

Jeder schmeißt jährlich über 80 Kilogramm Lebensmittel weg

Obwohl sich immer mehr Menschen mit dem Thema Foodwaste (englisch für Lebensmittelverschwendung) auseinandersetzen, landen in Deutschland immer noch zu viele Lebensmittel im Müll. Nach neusten Berechnungen der Universität Stuttgart wirft jeder Deutsche im Durchschnitt über 85 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. So passiert es beispielsweise, dass Lebensmittelkonzerne von bestimmten Produkten zu viel produzieren. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum können die Waren dann nicht mehr verkauft werden und müssen folglich entsorgt werden. Ähnlich sieht es bei Supermärkten aus, die zu viel Ware eingekauft haben. Aber auch der Verbraucher selbst ist für die unnötige Lebensmittelverschwendung verantwortlich. Hamsterkäufe sorgen dafür, dass wir den Überblick darüber verlieren, was sich noch im Kühlschrank oder der Vorratskammer befindet. Viele Menschen orientieren sich dann am Mindesthaltbarkeitsdatum. Ist dieses überschritten, werden die Produkte vorsichtshalber entsorgt – obwohl das in den seltensten Fällen notwendig ist.

Mindesthaltbarkeitsdatum

Wichtig ist hier, dass ihr einen Unterschied zwischen dem „Mindesthaltbarkeitsdatum“ und dem „Verbrauchsdatum“ macht. Joghurt, Milch oder Saftflaschen sind zum Beispiel mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen. Die Lebensmittel sind dann mindestens bis zum angegeben Datum haltbar, in der Regel aber deutlich länger. So könnt ihr Marmelade zum Beispiel auch noch 6 Monate über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus essen, Reis oder Nudeln sind sogar noch länger haltbar. Anders sieht es beim Verbrauchsdatum aus. Dieses findet ihr zumeist bei frischen Produkten, wie etwa Hackfleisch, Frischwurst oder frischem Fisch. Das angegebene Datum sagt euch in diesem Fall, bis wann ihr die jeweiligen Lebensmittel spätestens aufgegessen haben solltet. Besonders praktisch ist das Plakat der Tafel Deutschland, das euch zeigt, wie lange verschiedene Lebensmittel auch nach Überschreiten des MHDs noch verzehrt werden können. Auch die Checkliste der Verbraucherzentrale Hamburg bietet euch hier eine gute Orientierung.

MHD-Plakat der Tafel Deutschland

Plakat der Tafel Deutschland „Wie lange können Lebensmittel über das MHD hinaus verzehrt werden?“

Weil Läden und Restaurants aus rechtlicher Sicht allerdings keine abgelaufenen Lebensmittel mehr verkaufen dürfen, landen viele Produkte unnötigerweise im Müll. Glücklicherweise hat inzwischen bei vielen Geschäften und Restaurants jedoch ein Umdenken eingesetzt: Immer mehr Anbieter verkaufen ihre abgelaufenen Waren zu günstigen Preisen oder verschenken diese sogar, bevor sie diese wegschmeißen müssten. Dadurch könnt ihr jede Menge Geld sparen und geht gleichzeitig aktiv gegen die Wegwerfgesellschaft vor.

Too Good To Go – Lebensmittelrettung einfach gemacht

Die App „Too Good To Go“ bringt Betriebe mit überschüssigen Waren und interessierte Verbraucher zusammen. Nachdem ihr euch registriert habt, erfahrt ihr sofort, in welchen Läden, Restaurants oder Bäckereien Produkte übrig geblieben sind. Dort bestellt ihr dann einfach eine Wundertüte mit leckerem Essen – zum Spottpreis von nur wenigen Euro. Das Angebot an teilnehmenden Partnern ist von Standort zu Standort unterschiedlich. In einigen Kleinstädten gibt es vielleicht noch ein relativ überschaubares Angebot, in vielen Großstädten profitiert ihr dagegen von einer abwechslungsreichen Auswahl an unterschiedlichen Läden und Restaurants. Übrigens könnt ihr das preiswerte Essen nicht nur abends abholen. Hotels bieten euch zum Beispiel mittags übrig gebliebene Waren vom Frühstücksbuffet an oder ihr haltet nach Restaurants Ausschau, die beim Mittagsbuffet etwas zu viel Essen aufgetischt haben.

App too Good to Go

Screenshot der App „Too Good to Go“

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Foodsharing: Teilen statt wegwerfen

Beim foodsharing werden die Lebensmittel hingegen meist komplett kostenlos angeboten. Hier findet ihr neben den Angeboten von Restaurants und Läden auch Waren von privaten Konsumenten, die ihre Lebensmittel verschenken möchten. Wenn ihr zum Beispiel Pralinen zu Hause habt, die euch nicht schmecken oder euer Garten voller Obstbäume steht, die zu viele Früchte für euch alleine tragen, ist foodsharing eine tolle Möglichkeit, anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Möchtet ihr Teil der Foodsharing-Community werden, legt einfach ein Benutzerkonto auf der Homepage an und schon erfahrt ihr, wo ihr in eurer Nähe kostenlose Lebensmittel abstauben könnt.


Ihr möchtet mehr Verantwortung übernehmen? Dann könnt ihr euch außerdem als Foodsharer registrieren und euch dafür einsetzen, dass aussortierte Lebensmittel in Zukunft nicht mehr im Müll landen, sondern eine sinnvolle Verwendung finden.

Jetzt Foodsharer werden

Mundraub.org: Obst, Nüsse und Kräuter kostenlos ernten

Im Spätsommer und Herbst seht ihr bestimmt auch hin und wieder Apfel-, Birnen- oder Zwetschgenbäume, deren Früchte achtlos auf den Boden gefallen sind und dort verderben. Aber darf man sich das Obst einfach pflücken und einpacken oder begeht man damit Diebstahl? Grundsätzlich ist es nicht erlaubt, ohne Genehmigung Obst von Bäumen zu ernten, die einem nicht selbst gehören – es sei denn, es handelt sich um kommunales Eigentum. Die Webseite mundraub.org bringt hier Licht ins Dunkel: Kommunen können ihre eigenen Obstbäume, Nuss- und Beerensträucher und Kräuter eintragen. Auf einer praktischen Übersichtskarte seht ihr dann, wo kostenlose Früchte und Nüsse darauf warten, von euch geerntet zu werden.

mundraub.org

Übersichtskarte von mundraub.org

Jetzt gratis Früchte ernten

Lebensmittelverschwendung selbst vermeiden

Wie bereits erwähnt sind nicht nur die großen Konzerne und Lebensmittelmärkte für die enorme Lebensmittelverschwendung verantwortlich, sondern auch der Verbraucher selbst. Wenn ihr allerdings einige Tipps und Tricks beherzigt, müsst ihr in Zukunft bestimmt kaum mehr Lebensmittel wegschmeißen. Achtet zum Beispiel darauf, nur so viele frische Produkte zu kaufen, wie ihr auch wirklich benötigt. Eine gute Kühlung sowie Sauberkeit im Kühlschrank und in der Vorratskammer erhöhen die Haltbarkeit der Lebensmittel zusätzlich. Solltet ihr doch einmal zu viel eingekauft haben, nutzt die vorgestellten Möglichkeiten, um die Lebensmittel zu verschenken und mit anderen zu teilen. Interessant ist außerdem das Angebot des Bundesministeriums für Landwirtschaft: Auf der Webseite „ZugutfürdieTonne“ erhaltet ihr weitere Tipps gegen die Lebensmittelverschwendung. Zudem findet ihr hier ein praktisches Tool, das euch für eure übriggebliebenen Nahrungsmittel passende Rezepte vorschlägt. Einfach vorhandene Zutaten angeben und schon erhaltet ihr leckere Reste-Rezepte. So könnt ihr kreative Rezeptideen ausprobieren und selbst aus den kleinsten Resten noch leckere Speisen zaubern.

Zu gut für die TonneHabt ihr schon einmal eines der vorgestellten Angebote in Anspruch genommen oder habt ihr weitere Tipps, wie man Lebensmittelverschwendung vermeiden kann? Hinterlasst uns gerne ein Kommentar mit euren Ideen!

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